ZUSATZSTOFFE

ZUSATZSTOFFE in Tankmischungen mit Pflanzenschutzmitteln

Was ist ein Zusatzstoff?

Zusatzstoffe werden in der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 Artikel 2 Absatz 3 Buchstabe d definiert als „Stoffe oder Zubereitungen, die aus Beistoffen oder Zubereitungen mit einem oder mehreren Beistoffen bestehen, in der dem Verwender gelieferten Form und in Verkehr gebracht werden mit der Bestimmung, vom Verwender mit einem Pflanzenschutzmittel vermischt zu werden, um dessen Wirkung oder andere pestizide Eigenschaften zu verstärken…“

Zusatzstoffe werden auf Antrag in einem Genehmigungsverfahren durch die Zulassungsbehörde, dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nach § 42 Pflanzenschutzgesetz (PflSchG.) genehmigt. Aktuell finden sich auf der Liste genehmigter (und gelisteter) Zusatzstoffe über 260 Zusatzstoffe (Stand 1. August 2016). Die bekanntesten Produkte dieser Kategorie sind als Netz,- und Haftmittel ausgewiesen.

Genehmigte Zusatzstoffe dürfen prinzipiell durch Anwender mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln in Mischung ausgebracht werden. Man spricht hierbei von ungeprüften Tankmischungen. Bei Ausbringung der Tankmischung sind die Zulassungsinhalte zu beachten und darf nicht von diesen abweichen (§ 12 PflSchG). §12 Pflanzenschutzgesetz besagt u. a., dass Pflanzenschutzmittel nur in den in der Zulassung festgesetzten, jeweils gültigen Anwendungsgebieten (Indikation) und Anwendungsbestimmungen (z. B NW, NT Auflagen) eingesetzt werden dürfen.

Die Mehrzahl der 260 genehmigten Zusatzstoffe wird als ungeprüfte Tankmischung durch den Anwender eingesetzt. Über dies besteht die Möglichkeit, auf Antrag spezielle Anwendungsgebiete für einen Zusatzstoff zu beantragen. Diese Tankmischungen werden durch verschiedene Bewertungsbehörden hinsichtlich möglicher schädlicher Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier, Naturhaushalt und anderer schädlicher Auswirkungen, sowie in speziellen Fällen auf Wirksamkeit bewertet.  Nach Genehmigung eines speziellen Anwendungsgebietes, kann dieses durch den Zulassungs/ Genehmigungsinhaber beworben werden.

Weitere Informationen zum Genehmigungsverfahren von  Zusatzstoffen und Tankmischungen im Zulassungsverfahren, auf den Internetseiten des BVL.

Hinweis zu einzelbetrieblichen Genehmigungen nach § 22(2) Pflanzenschutzgesetz

Durch eine §22 Genehmigung, ausgestellt durch die zuständige Landesbehörde, kann ein Pflanzenschutzmittel auch in einem anderen Anwendungsgebiet als in der Zulassung festgelegt, eingesetzt werden. Wird von den Zulassungsinhalten des Pflanzenschutzmittels abgewichen, so ist eine § 22(2) PflSchG. Genehmigung notwendig. Werden die Zulassungsinhalte eingehalten, ist dies nicht notwendig. Prinzipiell ist auch für die Anwendung über eine § 22 (2) Genehmigung eine Kombination mit einem Zusatzstoff möglich.

Die gute fachliche Praxis

– Zusatzstoffe, Aufwandmenge und Teilflächenbehandlungen

Im Rahmen der “guten fachlichen Praxiswerden grundsätzliche Fragen in der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln beschrieben. Auch hier werden Zusatzstoffe explizit erwähnt.

In der Ausführung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu diesem Thema liest man, dass  “In besonderen Fällen (kann) durch das Hinzufügen gelisteter Zusatzstoffe die Effizienz der Pflanzenschutzmittel erhöht und damit der Pflanzenschutzmittelaufwand verringert werden kann. Maßnahmen zur Reduzierung der Anwendungshäufigkeit und der Aufwandmenge senken gleichzeitig die Kosten für den Pflanzenschutz und tragen zur allgemeinen Risikominderung bei. Die Anwendungen und die Aufwandmengen sind den Gegebenheiten anzupassen. Grundsätzlich ist die Einhaltung des notwendigen Maßes bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln anzustreben… Bei bestimmten Schadorganismen kann, auch unter den oben genannten Voraussetzungen, bei rechtzeitiger Anwendung kurz vor oder bei Befallsbeginn eine Epidemie besser und mit einer geringeren Anzahl von Anwendungen bzw. geringerer Aufwandmenge bekämpft werden als zu einem späteren Zeitpunkt.

“Da Unkräuter, Insekten und Pilze häufig vom Rand her einwandern, sind oftmals Behandlungen von Teilen der Kulturfläche oder von Einzelpflanzen ausreichend. Bei großen Schlägen ist dies eher der Fall als bei kleinen. Es kann auch sinnvoll sein, bei den ersten Anzeichen eines Befalls auf Teilflächen zu bekämpfen, um später nicht den ganzen Schlag oder das ganze Waldgebiet behandeln zu müssen. Durch Teilflächen-, Rand- und Einzelpflanzenbehandlungen lassen sich in vielen Fällen großflächige Bekämpfungsmaßnahmen vermeiden.”

Wichtig: Die Aufwandmenge darf unterschritten, nicht aber überschritten werden! Auf welche Fläche oder mit welchem Wasseraufwand hier der Einsatz erfolgt, ist durch die Ausführungen zur guten fachlichen Praxis, dem Anwender freigestellt.

Quelle: “Grundsätze für die Durchführung der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz”



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