Kirschessigfliege in Kelter- und Tafeltrauben

KEF Männchen im Weinbau

Die Hitzeperiode der letzten Tage lässt eigentlich eine sehr verhaltene Aktivität der Kirschessigfliege vermuten. Um so erstaunlicher sind die aktuellen Befallsraten in den Frühsorten wie Acolon, Regent und Cabernet Dorsa. Innerhalb weniger Tage sind, mit fortschreitender Reifeentwicklung, zum Teil massive Eibelegungen feststellbar. Sehen Sie auch unter www.vitimeteo.de die aktuellen Ergebnisse des WBI  Monitorings.

Unsere Empfehlung: Kontrollieren Sie unbedingt Ihre anfälligen Anlagen! Besonders gefährdet sind hierbei Anlagen in Wald- und Böschungsnähe. Kontrollieren Sie an mehreren Stellen der Anlage, der Befall kann sehr unterschiedlich und lokal sein. Auch bekannt feuchtere Anlagen sind eher gefährdet. Wichtig: beobachten Sie den Flug der Kirschessigfliege in den Morgenstunden bis 10 Uhr. Hier zeigt die Fliege die größte Aktivität.

Wie erkenne die Kirschessigfliege?

Eigentlich eine einfache Sache- die zwei Flügelpunkte der Männchen wären leicht erkennbar. Und wo ein Männchen ist, ist in der Regel auch ein Weibchen der Kirschessigfliege. Leider fliegen die Insekten bei der leichtesten Berührung auf und sind verschwunden.  Die Suche beginnt von neuem… Hier eine kleine Hilfestellung:

combi-protec Identify KEFKEF MännchenEin Hilfsmittel zur Identifizierung kann hier ein großer durchsichtiger Gefrierbeutel sein, welcher mit einem Teelöffel Speiseöl auf der Innenseite benetzt wird und z. B. über eine von Essigfliegen besetzte Traube gestülpt wird. Die auffliegenden Essigfliegen bleiben am Ölfilm haften und im Anschluß kann eine einfache Kontrolle auf die Flügelpunkte erfolgen.

Wie erkenne ich Eier der Kirschessigfliege?

Wesentlich schwieriger als die Fliegen, lassen sich die Eier der KEF identifizieren. Mit einer Lupe (mind. 10 fache Vergrößerung) können Eier der Kirschessigfliege identifiziert werden. Die weißen Atemfäden (2 – 4 Stück) ragen aus der Frucht heraus oder haften an den Rändern der Öffnung an. Zum Teil sind Eier sehr tief in die Frucht abgelegt und die Fäden schauen nur ein kleines Stück aus der Frucht heraus. An den Trauben findet sich – je nach Wasserversorgung der Rebe – ein kleiner Fruchttropfen an der Eiablagestelle, welcher später eintrocknet.

Kontrollieren sie vor allem an windgeschützten Plätzen (also nicht windexponierte Randlagen!). Die Quetschprobe bringt bei den Trauben nicht immer ein korrektes Ergebnis.

Geplatzte und verletzte Beeren

Eiablage KEF In einer Versuchsanlage Acolon sind cirka 2% der Beeren durch Wachstumsrisse beschädigt. Trotz der sehr trockenen Witterung treten diese auf und sind zu fast 80% mit Eiern der Kirschessigfliege belegt. Auch unreife und verletzte Beeren wurden so schon belegt, bevor eine Eiablage in der Fruchthaut möglich war. In der Folge kommt es auch zu Eiablagen der normalen Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Zur Unterscheidung eignen sich sehr gut die breiter ausgeformten Atemfäden der Eier.

Kleine, unterentwickelte Beeren

Acolon unterentwickelte Beeren mit Eiablage KEF

Acolon, unterentwickelte Beeren mit Eiablage der KEF

Auch hier findet man Eiablage und bereits saftende Früchte. Hierdurch werden Kirschessigfliegen aus der Umgebung angelockt und  der gärende Traubensaft bietet eine gute Futter- und Flüssigkeitsgrundlage für die Fliegen.

 

Andere Wirtspflanzen

Derzeit findet man massive Eiablage auf Holunder. Achten Sie in der Umgebung von Hecken mit Holunderbüschen auf Befall. Auch wenn in den letzten Tagen viele Beeren vertrocknet sind, ist in den nächsten Tagen mit schwülwarmer Witterung und Gewitter, eine Weiterentwicklung in den Beeren möglich.

Bekämpfung

Starten Sie rechtzeitig die Maßnahmen zur Regulierung der Kirschessigfliege. Nicht zu früh, aber auch nicht zu spät, lautet die Devise. Leichter gesagt als getan! Wie die Eiablagen in den verletzten und geplatzten Beeren zeigen, sind bereits eine Vielzahl an Kirschessigfliegen in den Anlagen. Diese warten nur auf die richtige Witterung und den richtigen Reifezustand der Beerenhaut, bis eine Eiablage möglich ist. Verpasst man den ersten Bekämpfungstermin um wenige Tage, so gehen bereits viele Einzelbeeren in Gärung über. Die dafür relevanten Hefen werden mit der Eiablage durch die Kirschessigliege in die Beeren  übertragen.  Diese essigstichigen Beeren locken wiederum die Essigfliegen aus der Umgebung an und erschweren enorm die weitere Bekämpfung.

Eine frühzeitige Bekämpfung, mit noch geringen Populationsdichten, wird wie bei anderen Schaderregern auch, den größten und nachhaltigsten Bekämpfungserfolg erzielen.

Aktualisierung 2. September 2016

Erste KEF Puppen in Regent am 1. 9.16

Erste KEF Puppen in Regent am 1. 9.16

Bereits anfang September finden sich erste Puppen der Kirschessigfliege in befallenen Regent Anlagen. Auch die Befallsentwicklung schreitet trotz des vermeintlich ungünstigen Wetters beständig voran.

In der Versuchsanlage Acolon stieg der Anteil befallene Beeren auf 5 % an. Es ist bereits sechs Tage nach der Behandlung wieder deutlicher Beflug feststellbar. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Fliegen die Anlagen nicht mehr zur Flüssigkeitsaufnahme verlassen, da bereits genügend saftende Trauben zur Versorgung beitragen.

 

KEF bei Flüssigkeitsaufnahme

KEF bei Flüssigkeitsaufnahme – Im Safttropfen eine Larve der Kirschessigfliege!

Foto: Linser

Foto: Linser

 

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